HBU – Vorwort

„Macht Euch die Erde untertan“ - Diese fast 3000 Jahre alte Aufforderung hat die Menschheit häufig falsch verstanden oder auch falsch verstehen wollen. Gemeint war damals, im Schweiße des Angesichts mit Hackstock und Holzpflug Getreidekörner in den Boden zu legen und auf den segnenden Regen zu warten, um schließlich die spärliche Ernte für den Winter oder für schlechte Zeiten in geflochtenen Körben nach Hause zu tragen. Zu einer Zeit, als die Landressourcen noch unbegrenzt erschienen, weil niemand die Grenze der Welt kannte und überall jungfräuliches Land gefunden werden konnte, hatte solch ein Satz eine ganz andere Bedeutung als heute. Wir wissen, dass die letzten zwei Generationen der Menschheit die nicht vermehrbare Bodendecke in einem Maße belastet, degradiert, vergiftet und zerstört hat, dass dies schon heute viele Menschen das Leben kostet.

Böden sind sehr komplexe Ausschnitte der oberen Erdkruste. Sie sind gleichzeitig Naturkörper und Kulturgut. Die Bodendecke ist nicht vermehrbar, und Böden sind in strengem Sinne nicht wiederherstellbar. Seit etwa zwei Jahrzehnten ist die Erkenntnis gereift, dass ohne einen Schutz des dritten Umweltmediums, der Böden, die Zukunft der Menschheit gefährdet ist. Leider ist diese Erkenntnis noch nicht überall entsprechend umgesetzt. Aufgrund kurzfristiger, unabweisbarer Bedürfnisse schreitet die Bodenbelastung und Bodenzerstörung weltweit weiter fort.

Auch wenn bis heute nicht als sicher gilt, dass durch das vorliegende deutsche Bodenschutzgesetz wirklich eine Trendwende in unserem Land erreicht werden kann, so zeigt dieses Gesetz doch, dass nicht nur Handlungsbedarf besteht, sondern dass auch der Wille vorhanden ist, aktiv Bodenschutz zu betreiben.

Zur Ausfüllung des gesetzlichen Rahmens ist die Bodenbeschreibung und -untersuchung eine unabdingbare Notwendigkeit. Die Beschreibung und Charakterisierung von Böden muss dabei nach allgemein anerkannten standardisierten Methoden, die reproduzierbar sind und zu eindeutigen Ergebnissen führen, geschehen. Hier liegt die große Bedeutung dieses Handbuches. Da Böden komplexer aufgebaut sind als die anderen Umweltmedien und weniger untersucht sind und gleichzeitig die nationale und internationale Standardisierung der Methoden noch nicht so weit fortgeschritten ist, soll das Handbuch neben stehenden bewährten Methoden auch andere erprobte Verfahren, z. B. der Wasseranalytik, aufnehmen. Es wird im Übrigen den gesamten Bereich bodenkundlicher Untersuchungen abdecken, der die Auswahl von Probenahmeorten, Probentransport, Probenvorbereitung und -aufbereitung, Extraktions- und Fraktionierungsverfahren, analytische Messungen und nachfolgende Auswertungen umfasst. Dieses Handbuch stellt damit das erste Mal den Versuch dar, den gesamten Bereich der Bodenuntersuchung, Bodenanalytik und Bodenbewertung für die praktische Anwendung zusammenfassend und umfassend darzustellen. Es wird nach der Anwendung des Handbuchs in der Praxis auch bald erkennbar werden, wo die bodenkundliche Methodik dringend weiterentwickelt werden muss bzw. wo vorhandene Methoden standardisiert werden müssen.

Dankbarkeit empfinden die Bodenkundler, wenn sie feststellen, dass die Anliegen unserer Böden in vielen wissenschaftlichen und technischen Organisationen bereits so präsent sind, dass der Aufruf zur Mitarbeit bei der Erstellung dieses Handbuches einen großen Widerhall fand. Erfreulich ist auch, dass innerhalb kurzer Zeit eine aktive und mit hervorragenden Fachleuten besetzte Redaktionsgruppe gefunden wurde, so dass ein auf dem neuesten Stand befindliches Werk vorgelegt werden kann. Möge dieses Werk allen an Böden und Bodenschutz Interessierten dienen.

Prof. Dr. Karl Stahr
Vorsitzender des Beirats